Gedichte von Thomas Hecht
Von: Thomas HechtForensik Rhapsodie
Die Sehnsucht nach inn`rer Heimat,
den Ort den Gott durch meinen Vater, meine Mutter und mich selbst erwählt,
verkauf` ich des abends an virtuelle Welten,
such ihn in Büchern tausendfach
und erfahre wieder nur vom Leiden vieler
und weniger “Glücklicher” die es vollbracht
Und schicke unbemannte Sonden in den Ätherraum am Telefon….
Im kleinen Grüngehege, umgrenzt von hohen Zäunen,
versucht meine Seele dann der Enge zu entfliehen
mal mich euphorisch auf dem Rasen wälzend
mal sinnend ohne rechten Sinn, mit vielen Worten nichts sagen könnend
Auch meine Gitarre spielt nicht mehr,
gibt nur mit müdem Klang die eingeübten Leier in ständig` Wiederholung wieder
Und spricht es mich dann manchmal aus,
so hängen es die Richter gleich,
und Synapsengurus heften mich in ihre Bestimmungsfibel
Nur in erwählten Augenblicken vertraut es mir Stift an und Papier
und im Inneren da hallt es ozeanisch:
Erzählt mir vom Wald der Leidenschaft i s t,
nicht wie zuvor vom Weg dort hin
wo müde, alte Vipern auf Bäumen lauern
und das Angesicht der Feen sich im Mondlicht spiegelt
Und danke Gott:
Das er die Zerrissenheit und Traurigkeit mir ließ
und nahm mir meinen Hass
Und gab mir dafür anstatt:
Die Lust am Geben
Wenn die Blätter fallen
Und mich s e i n lassen
Endlich
Ohne Präposition und Bedingung
Eickelborn, 29.2. 2001
Das Heim
Der Himmel ist so blass und leer
Der Nebel zieht über die Felder, wie ein längst verklungner` Reim
Und zieht Erinnerung an meine einstmals Liebsten bang in mein Herz hinein
Mich verlangt nach Ruhe und nach Stille
heut` hier mitten im medialen-virtuellen Gedröhn
Und insgeheim da schweige ich besser stille
Zu all der Keiferei hier im Irrenheim
Nehm` besser meinen Stift und lass mich sein!
Wiedenbrück 6.3.07
Des Wohnheims Garten
Im schönsten vorgesetzten Garten hier,
wo die Orchideen ach so kurz und lieblich blühten,
ist`s doch so matt mir mein Gemüt`,
und besinnungslos übermannen mich,
vertane Stunden Wochen, Jahre.
All jene hehren Ideale meiner Jugend,
All meiner süßen Hoffnung Stoffe,
Gewebt durch Wunsch und Traum,
liegt heute wie alter Kinderspielzeugtand,
verstaubend und in Kisten in irgendeinem Speicherraum.
Erst heut` ertränkte ich sie wieder,
im Schlafe und im Tabakqualm,
die einst so süß, verlockend` Bilder.
Den Garten hier gestaltete ich nie,
Doch sein Wesen kannt` ich wohl!
Jetzt erscheint er mir genauso,
Wie Goethe einst seinen Faust ließ sagen:
“Was ich besitze, seh` ich wie im Weiten,
Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten!”
Wiedenbrück, Wohnheim, den 4.6.09
Staatsgewalt und Weltenseele
Taubenschiss und Fliegendreck
Die Staatsgewalt die macht dich weg!
Doch falls du diese Zeilen liest
Gedenke meiner: Das des Wesens Schönheit nicht verfliegt!
Und ganz im Bannkreis der Justiz
Ganz am Rande im Hospitz
Eine wundersame Seele liegt!
Wiedenbrück, 12.10.07
In Kürze zu meinem Leben und zu meiner Kunst
Mein Leben war und ist geprägt durch eine bipolaren Symbiose von mystischen Erleben gepaart und in Wechselwirkung stehend mit einer sehr hohen Empfindsamkeit, ( aus psychiatrischer Sicht “Dünnhäutigkeit“), als Resultat einer auch noch in der Gegenwart nachwirkenden Verklärung von Personen, Gegenständen, z. B Kunstwerken, Ereignissen oder Ideen. Hierbei stellte ich im Zuge eines diesem Erleben immanenten, immensen Leidensdruckes, immer wieder Werte und Normen der Gesellschaft vehement in Frage, und beging Grenzüberschreitung auf die der Staat mit scharfer Restriktion, etwa der wiederholten Abschiebung in die Psychiatrie reagierte.
Mein mystisches Erleben des All-eins-seins mit dem Göttlichen in der Welt in meinen so genannten Psychosen, bildete das für mich bitter notwendige, bipolare Gegengewicht zu der Bedrohung meiner eigenen Zeit, die sich nach meiner Erkenntnis in einer schrecklichen Krise der menschlichen Gesellschaft befand und immer noch befindet. So waren meine Visionen wie etwa in meinem Bild “Der apokalyptische Ritter” aus jener Zeit, in einem wahrhaften apokalyptischen Pathos entstanden. Darin ist der Liebende, Erfüllte, mit sich selbst und der Natur in Einklang lebende Mensch, wie ich ihn in meinem Inneren fand, wie ich entmenschlicht worden, zu etwas anthropomorphen, dämonischen, in einer bedrohlichen Welt, aus maschinellen Kreaturen, deren Beobachtung mir erschreckende Kälte und Teilnahmslosigkeit zu verraten schien. Diesem Alptraum entfesselter Technologie und der Unmöglichkeit von wahrhafter erfüllter Liebeserfahrung, wie es mein Bild “Todesvogel einer unerfüllbaren Liebe” zeigt, stelle ich meine Lautmalerei der reinen Magie und Verzückung in meinem auf der Gitarre vertontem, kurzem Gedicht “Verse an vielen Abenden oder mächtige Ströme des Segens” gegenüber und lasse dann die Stille nach meinem Gedicht “Der Fremde” walten. Dies als Vision einer Welt der Träger gutherziger, hoffnungsfroher und zuversichtlicher Träumer gleichsam der Entwicklung der Raupen zum Schmetterling und ihr kurzes unbedarftes Leben, weiterhin träumend und leben für eine Welt in der sich Männer und Frauen wortlos und selig vereint in den Armen liegen, wie einst wohl im Paradiese.
So geht es mir zum Beispiel in der Malerei nicht nur um die mystische Verwandlung von Figürlichem bis zur Steigerung zur Metapher. Es handelt sich um eine Mythologie ganz persönlicher Art, hinter der sich eine poetische Traum,- und leider ab und zu auch Alptraumwirklichkeit verbirgt. Dafür habe ich ein ganz persönliches Arsenal an Mitteilungszeichen ausgebildet und damit ein bildnerisches Äquivalent für jene Welt innerer Vorstellungen gefunden, die ich rein gegenständlich gar nicht formulieren könnte, oder nur mit Zuhilfenahme des Zufalls und dem, was ich aus dem Unbewussten in ihm sehe und was sich aus den Linien dann daraus entwickelt.
So sind Malerei, Sprache, sowie auch im besonderen in Kombination mit der Musik mir Medien zur Möglichkeit der Mitteilung aus seelischen Tiefenzonen und alle drei Medien in denen ich mich ohne eine Trennlinie ziehen zu müssen, oder zu wollen, frei bewege.
Und so spiegelt mein gesamtes künstlerisches Schaffen und mein gesamtes Leben (welches ich auch als Kunstwerk an sich betrachte, auch und gerade in all seiner Alltäglichkeit), meine Suche und mein immer wieder finden nach Sinn, Bedeutung und Richtung in einer von technischen und bürokratischen Zwängen beherrschten Welt,- (in meinem Fall gar noch staatlich- juristischer Kontrolle, da ich im Zuge meiner psychischen Erkrankung und der Zwangsbehandlung in der Psychiatrie mit einer Körperverletzung straffällig geworden bin und mich noch in der Bewährung vom Maßregelvollzug befinde),- und bietet mir Identität und hoffentlich auch immer mehr Integration im kulturell, sozialen Kontext, denn ich vermag erst zu atmen durch und mit diesen Zeilen und in der Hoffnung das jemand meine Flaschenpost findet, aufhebt und vielleicht sogar ein kleines Stück davon für sich bewahren mag…
So schreibe und male ich weiter mit der Kraft mit der mich meine Emotionen treiben und dem was mein Intellekt in meinen Emotion, dem Entstandenem, sieht. Der Punkt an dem Intellekt und Emotion im wahrhaftigsten mir möglichem Ausdruck überein zustimmen scheinen, ist der Moment der Vollendung meines Werkes.
Einzelnes
Ausschreibung 2010
Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene
Zum achten Mal soll der Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene vergeben werden.
Wir rufen alle inhaftierten und ehemals inhaftierten Frauen und Männer, auch Schreibgruppen, auf, sich mit Einsendungen von deutschsprachigen Texten zu beteiligen.
Das Thema der diesjährigen Ausschreibung lautet:
"Wenn dich niemand sieht…"
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LAND IN SICHT
17. - 20. November 2010
Theatertage des Sächsischen Justizvollzuges
Die Theatertage unter dem Titel 'Land in Sicht' richten sich an interessierte Bürger, an Theaterbesucher sowie an ein Fachpublikum, welches mit den Themen Strafvollzug/Justiz, Sozialarbeit, Pädagogik/Therapie, Jura, Theater oder Kulturarbeit beschäftigt ist.
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